Retention und Versickerung von Niederschlagswasser

3 Projektstandorte – 3 unterschiedliche Anforderungen – 3 passgenaue Lösungen

AUFGABE / RANDBEDINGUNGEN / PROJEKTBESCHREIBUNG

Der Umgang mit Nie­der­schlags­was­ser von neu zu ver­sie­geln­den Flächen – auch oder be­son­ders in Orts­la­gen mit his­to­risch ge­wach­se­ner Misch­ka­na­li­sa­ti­on – hat seit der Neu­re­ge­lung im Hes­si­schen Was­ser­ge­setz in 2010 sehr an Be­deu­tung ge­won­nen. Die im Rahmen lang­fris­ti­ger Ent­wäs­se­rungs­kon­zep­te (z. B. GEP) ge­trof­fe­nen An­nah­men sind in den meisten Fällen nicht mehr ge­neh­mi­gungs­fä­hig und be­dür­fen im Rahmen der Er­schlie­ßungs­pla­nung einer gründ­li­chen Neu­be­trach­tung. Es gilt, jeweils sehr dif­fe­ren­zier­te und ein­zel­stand­ort­spe­zi­fi­sche Lö­sungs­an­sät­ze zu ent­wi­ckeln, tech­nisch und wirt­schaft­lich zu be­trach­ten und dann – bereits in einer frühen Pla­nungs­pha­se – deren Ge­neh­mi­gungs­fä­hig­keit mit den zu­stän­di­gen – meist oberen –  Was­ser­be­hör­den ab­zu­stim­men bzw. aus­zu­han­deln.


1. Wohnbaugebiet in Rodgau

Projektdetails
AuftraggeberHessische Landesgesellschaft Kassel
Leistungen– Erschließungsfläche 2,9 ha, 970 m Kanal
– 3 Versickerungsmulden, ges. 900 m²
– LP 1 – 6 und örtliche Bauüberwachung
– anrechenbare Kosten rd. 1,8 Mio. €
ProjektzeitraumPlanung 2014 – 2019
Bau 2020

Genau so stellte sich die Si­tua­ti­on auch bei der Er­schlie­ßungs­pla­nung für dieses Wohn­ge­biet „auf der grünen Wiese“ in Rodgau dar. Die gemäß GEP kon­zi­pier­te Misch­ka­na­li­sa­ti­on mit An­schluss an die hy­drau­lisch noch nicht aus­ge­las­te­te vor­han­de­ne Orts­ka­na­li­sa­ti­on wurde von der Ge­neh­mi­gungs­be­hör­de ab­ge­lehnt. Eine Trenn­ka­na­li­sa­ti­on mit Re­gen­was­ser­ein­lei­tung in ein Ge­wäs­ser, wie es bei dem un­mit­tel­bar be­nach­bar­ten Bau­ge­biet noch möglich war, erwies sich auf Grund der To­po­gra­phie als nicht rea­li­sier­bar.
Da die Bau­grund­be­din­gun­gen eine Ver­si­cke­rung grund­sätz­lich zu­lie­ßen, bestand die Behörde auf der Nutzung dieser Mög­lich­keit. Nun galt es, in Ab­wä­gung mit dem bereits vor­lie­gen­den städ­te­pla­ne­ri­schen Konzept eine ge­neh­mi­gungs­fä­hi­ge Lösung zu er­ar­bei­ten, die sowohl die ge­stal­te­ri­schen als auch die wirt­schaft­li­chen Vor­ga­ben be­rück­sich­tigt.
Die Lösung lag hier schließ­lich in einem Kom­pro­miss, welchen die zu­stän­di­ge Behörde mittrug und der für den we­sent­li­chen Teil eine Nie­der­schlags­was­ser­ver­si­cke­rung mittels zen­tra­ler, ver­netz­ter Mulden vor­sieht. Für einen to­po­gra­fisch un­güns­tig ge­le­ge­nen Teil des Ge­bie­tes wurde einer Mi­sch­ent­wäs­se­rung im klas­si­schen Sinne zu­ge­stimmt. Wie der bei­ge­füg­te La­ge­plan zeigt, gelang dies in einer ge­stal­te­risch durch­aus an­spre­chen­den Um­set­zung unter Aus­nut­zung des ohnehin ge­plan­ten „Grün­zu­ges“ mit „Frei­zeit­weg“ zur Ge­währ­leis­tung einer land­schafts­ver­träg­li­chen Ge­stal­tung des neuen Orts­ran­des.

Leistungen
Für die Gewerke Ent­wäs­se­rung (ein­schließ­lich Ver­si­cke­rung), Was­ser­ver­sor­gung und Stra­ßen­bau wurden die Leis­tungs­pha­sen 1 – 6 er­bracht. Die Ört­li­che Bau­über­wa­chung erfolgt ab 2020.


2. Reihenhauszeile in Rodgau

Projektdetails
AuftraggeberArchitekturbüro für Sportverein
Leistungen– 9 Reihenhäuser
– 9 Versickerungsrigolen
– Beratung, Planung und behördliche Freigabe
ProjektzeitraumPlanung 2014
Bau 2016

Im Rahmen der Um­wid­mung einer grö­ße­ren in­ner­ört­li­chen Fläche von Frei­zeit­nut­zung zu Wohn­be­bau­ung gab es auch hier die be­hörd­li­che Vorgabe einer Fern­hal­tung des Nie­der­schlags­was­sers aus der Misch­ka­na­li­sa­ti­on. In Er­man­ge­lung eines Vor­flu­ters kam auch hier nur die Ver­si­cke­rung in Be­tracht. Auf Grund der Be­grenzt­heit der ver­füg­ba­ren Flächen musste für die Rei­hen­haus­zei­le eine de­zen­tra­le Lösung ge­fun­den werden. Im Zuge der Planung wurden al­ter­na­tiv eine un­ter­ir­di­sche Ri­go­len­ver­si­cke­rung unter den Park­flä­chen der Ge­bäu­de­vor­der­sei­te und eine Flä­chen­ver­si­cke­rung als sehr flache, be­grün­te Mulde im Grün­strei­fen auf der Ge­bäu­de­rück­sei­te kon­zi­piert. Die zweite Va­ri­an­te war dabei deut­lich wirt­schaft­li­cher als die erste, schränk­te jedoch die Nut­zungs­mög­lich­kei­ten der Grün­flä­che und damit deren Frei­zeit­wert für die Nutzer ein. Theo­re­tisch wäre eine grund­stücks­spe­zi­fi­sche Ein­zel­fall­ent­schei­dung seitens der spä­te­ren Nutzer möglich gewesen. Prak­tisch ent­schied sich der Bau­trä­ger jedoch nach der Planung für die Aus­füh­rung der Va­ri­an­te 1.

Leistungen
Die Grund­stücks­ent­wäs­se­rung wurde durch unser Büro ein­schließ­lich des Über­flu­tungs­nach­wei­ses bis zur Ent­wurfs-​/ Ge­neh­mi­gungs­pla­nung er­stellt und dafür die er­for­der­li­chen Ab­stim­mun­gen mit den Be­hör­den er­folg­reich ge­tä­tigt. Ab der Aus­füh­rungs­pla­nung hatte unser Büro noch eine be­ra­ten­de Funk­ti­on hin­sicht­lich der Ver­si­cke­rungs­an­la­gen. Für die un­mit­tel­bar be­nach­bar­te große neu gebaute Se­nio­ren­re­si­denz hat unser Büro zu­nächst Be­ra­tungs­leis­tun­gen für die Nie­der­schlags­was­ser­ent­sor­gung und die Vor­ab­stim­mung mit den Ge­neh­mi­gungs­be­hör­den über­nom­men. Die weitere Planung er­folg­te dann durch den TGA-​Pla­ner des Ob­jek­tes.


3. Gewerbegrundstück in Heusenstamm

Projektdetails
AuftraggeberBauträger für privaten Investor
Leistungen– 2.300 m² entwässerte Fläche innterörtlich
– Beratung, Planung, behördliche Genehmigung
ProjektzeitraumPlanung und Bau 2013

In einem Misch­ge­biet in Heu­sen­stamm sollte ein Wohn- und Ge­schäfts­haus auf einem bis dahin noch un­be­bau­ten Grund­stück er­rich­tet werden. Dabei mussten er­heb­li­che Teile des Grund­stü­ckes durch Gebäude und Ver­kehrs­flä­chen be­fes­tigt werden. Eine Ein­lei­tung des Nie­der­schlags­was­sers in den Kanal durfte nur mit maximal 10 l/s er­fol­gen. In enger Ab­stim­mung mit dem Ar­chi­tek­ten, dem Bo­den­gut­ach­ter, dem Bauamt und der zu­stän­di­gen Was­ser­be­hör­de wurde durch unser Büro ein ge­neh­mi­gungs­fä­hi­ges Konzept ent­wi­ckelt und geplant. Dabei wurde in einer Kom­bi­na­ti­on aus Mi­ni­mie­rung der Ab­flüs­se, Re­ten­ti­on und Ver­si­cke­rung sowie No­t­ent­las­tung und Nach­weis der schad­frei­en Über­flu­tung, eine tech­nisch, formal und wirt­schaft­lich op­ti­mier­te Lösung ge­fun­den, mit der alle Pro­jekt­be­tei­lig­ten zu­frie­den sind.

Eine be­son­de­re Schwie­rig­keit bestand darin, dass die ver­si­cke­rungs­fä­hi­gen Bo­den­schich­ten teil­wei­se erst in meh­re­ren Metern Tiefe an­stan­den. In der Phase der Bau­aus­füh­rung war unser Büro dann jedoch nicht mehr in­vol­viert.